Die Profilbefundung an der Warmbreitbandstraße

19.08.2026 | Salzgitter Flachstahl GmbH


An der Warmbreitbandstraße der Salzgitter Flachstahl werden Brammen aus den Stranggießanlagen zu Warmbreitband ausgewalzt und als Coil gewickelt. Dazu wird die Bramme in einen der Aufheizöfen auf Walztemperatur erwärmt und dann durch mehrere Walzgerüste auf die gewünschte Dicke ausgewalzt.

Das Dickenprofil

Beim Walzvorgang erhält das Material abhängig von der Form der Walzen und deren Positionierung durch Biegung/Schwenken sowie der Temperatur ein Dickenprofil. Dieses Profil beschreibt die Ausprägung der Dicke über die Bandbreite. Es wird grob zwischen einem flachen, hohlen und balligen Profil unterschieden, wobei auch Mischformen auftreten können.

Abhängig von der Art und Stärke der Profilausprägungen ergeben sich unterschiedliche Verhalten z. B. für die Ölumverteilung oder den Bandlauf in Folgeanlagen. So ist insbesondere beim Kaltwalzen ein balligeres Profil von Vorteil, während für die Ölumverteilung ein flacheres Profil bevorzugt wird.

Je nach Einsatzfall ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an das Profil, die durch verschiedene Parameter beschrieben werden. So beschreibt der Cx-Wert (z. B. C40 oder C100) wie stark die Banddicke in einem definierten Abstand zur Bandkante von der Dicke in der Bandmitte abweicht. Verbindet man die beiden Messpunkte, entsteht eine Profilgerade. An dieser Linie lassen sich zwei weitere charakteristische Profilwerte ablesen: die Bombierung und der Keil.

Die Bombierung ist dabei die Differenz zwischen dem normierten Nullpunkt und dem vertikalen Schnittpunkt mit dieser Verbindungslinie. Der Keil ist die absolute Differenz zwischen den beiden Cx-Werten links und rechts des Bandes (s. Abbildung).

Zusätzlich können sogenannte Wülste auftreten, die eine Dickenerhöhung an den Bandkanten beschreiben. Bei zu starker Ausprägung der Wulst kann es beim Kaltwalzen zu Randwelligkeiten kommen.

Das Datensystem zur Entwicklung von Werkstoffen und Qualität (DEWuQ)

Mit der Einführung des „DEWuQ“, dem Datensystem zur Entwicklung von Werkstoffen und Qualität, gab es nun erstmals die Möglichkeit, eine werksweite Bewertung der Produktionsqualität über alle Produktionslinien hinweg vorzunehmen. Dabei besitzt das DEWuQ ein internes Regelwerk, welches Produkte nach festgelegten Kriterien bewertet und diese bei Verletzung der Vorgaben zur manuellen Begutachtung sperrt.

Mit zunehmenden System-Möglichkeiten einerseits sowie weiteren neuen Anforderungen andererseits (z. B. Betrachtung der Wulst) ergab sich die Aufgabe, auch die Profilbefundung in das DEWuQ- zu überführen.

Basierend auf Dickenmessschrieben prüfen die implementierten Regeln nach dem Warmwalzen, ob die Vorgaben hinsichtlich Bombierung, Keil und Wulst bzgl. der auftragsbezogenen Kundenanforderungen eingehalten wurden.
Für die Bewertung werden die gewählten Messschriebe wie oben beschrieben zunächst auf den Nullpunkt normalisiert, sodass die Profilschriebe bei Bandmitte auf (0, 0) gesetzt sind. Anschließend werden je nach Profilkennzeichen Bombierung und Keil anhand der C40 oder C100 Punkte berechnet. Nach dem Herausrechnen des Keils wird der normalisierte Dickenschrieb auf Wulste geprüft.

Insgesamt erhöht diese Umstellung der Profilbefundung die Prozesssicherheit bezüglich der Profil-Eigenschaften des Warmbands und stellt eine gleichbleibend hohe Qualität für die Kunden sicher. Gleichzeitig unterstützt es die Arbeit des Qualitätsbewerters, da ein wesentlicher Teil der produzierten Bänder bereits automatisiert charakterisiert werden kann, sodass nur Bänder mit Abweichungen vom Qualitätsbewerter manuell bewertet werden müssen.